Tenside im Reinigungsmittel: Dein Ratgeber

Tenside im Reinigungsmittel: Dein Ratgeber

Lesezeit: 6 Minuten

Von Tensiden hast du bestimmt schon einmal gehört. Ob Zahnpasta, Gesichtscreme oder Reinigungsmittel - Tenside sind in vielen Produkten des täglichen Bedarfs zu finden. Wir verraten dir alles, was du über Tenside wissen musst - auch, wenn du kein Faible für Chemie hast.


Inhaltsverzeichnis

Was sind Tenside?

Klassifizierung der Tenside

Diese Tenside können wir (nicht) empfehlen

Fazit


Was sind Tenside?

Ganz einfach formuliert: Tenside lösen Fett und Schmutz und sind deshalb in jedem Reinigungsmittel unersetzlich. Sie gehören zu den waschaktiven Substanzen und lassen sich grob in zwei Gruppen unterscheiden:

  • natürliche Tenside werden aus aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen gewonnen.
  • synthetische Tenside werden beispielsweise aus Rohöl gewonnen.

Grundsätzlich bewirken sie, dass sich Flüssigkeiten, die sich eigentlich nicht mischen lassen, vermischen. Das beste Beispiel dafür ist das Vermischen von Öl mit Wasser. Die beiden Flüssigkeiten kannst du schütteln, rühren, mixen - sie mischen sich nicht. Gibst du jedoch ein wenig Spülmittel hinzu, kannst du dabei zugucken, wie die Tenside des Spülmittels die Grenzflächenspannung der Flüssigkeiten herabsetzen und sich Öl und Wasser mischen. Daher kommt übrigens auch der Name: Tensid kommt vom lateinischen tensio, was Spannung bedeutet.

Wie funktioniert das? Der einzigartige Aufbau eines Tensids macht es möglich. Es besteht aus zwei Teilen: einem hydropoben Kohlenwasserstoffrest (wasserunlöslich, fettlösend) und einer hydrophilen Molekülgruppe (wasserlöslich, fettunlöslich). Der Kohlenwasserstoffrest (Körper) wird von Wasser abgestoßen, während die Molekülgruppe (Kopf) von Wasser angezogen wird.

Aufbau und Klassifizierung der Tenside

Der hydrophobe Körper, bestehend aus einem Kohlenwasserstoffrest ohne Ladung, ähnelt sich unter den Tensiden in der Regel stark. Unterschiede gibt es beim Kopf, der hydrophilen Molekülgruppe. Je nachdem, welche Ladung hier vorherrscht, ändert sich die Wirkungsweise.

Die vier häufigsten Tensid-Klassen stellen wir dir kurz vor:

Anionische Tenside haben eine negative Ladung und sind die am häufigsten eingesetzten Tenside. Sie zeichnen sich durch eine hohe Waschkraft aus, weswegen du sie in vielen Reinigungsmitteln findest. Das bekannteste anionische Tensid ist Seife. Bildet sich viel Schaum, ist das auch ein Zeichen für anionische Tenside.

Nichtionische Tenside: Diese tragen keine Ladung und sind oft milder als anionische Tenside. In deiner Haut- und Haarpflege kannst du also auf nichtionische Tenside achten. Außerdem sind sie im Gegenzug zu den anionischen Tensiden temperaturempfindlich - je höher die Temperatur, desto niedriger die Waschkraft. Daher werden anionische und nichtionische Tenside häufig zusammen verwendet. Sehr milde Tenside dieser Klasse sind auf Zuckerbasis. Auf der Packung findest du sie unter dem Namen “Glucosid”.

Kationische Tenside sind positiv geladen und häufig in Weichspülern, Desinfektionsmittel oder Haarprodukten zu finden. Gewonnen werden diese Tenside oft aus tierischen Fetten - die in der Regel aus Schlachtabfällen gewonnen werden. Andere Methoden der Gewinnung von kationischen Tensiden ist die Herstellung aus Mineralöl oder pflanzlichen Ölen, meist Palmöl.

Amphotere Tenside sind sowohl positiv als auch negativ geladen. Sie werden oft beigemischt, da sie vor allem auf die anionischen Tenside eine mildernde Wirkung haben. Du kannst sie an der Endung “-Betain” erkennen.

Ein Beispiel für dich: unser ooohne Hand-Spülmittel beinhaltet > 30 %: anionische Tenside und < 5 %: amphotere Tenside. Das bedeutet eine hohe Reinigungswirkung aufgrund der anionischen Tenside und zusätzlich schonen die amphoteren Tenside deine Haut. Natürlich, wie alles bei ooohne: ohne tierische Inhaltsstoffe, also auf Basis natürlicher, pflanzlicher Tenside!

 Diese Tenside können wir (nicht) empfehlen

Und nun zur Gretchenfrage: Wie erkennst du umwelt- und hautfreundliche Tenside. Das ist leider gar nicht so einfach. Deshalb haben wir dir eine kleine Liste erstellt. Folgende Tenside können wir empfehlen:

  • Sodium/Natrium Lauroyl Sarcosinate: ein mildes anionisches Tensid aus pflanzlicher Herstellung, das Haut und Haar schonend reinigt.

  • Sodium/Natrium Lauryl Sulfoacetate (SLSA): ein anionisches, pflanzliches Tensid in Pulverform. Es ist mild zur Haut und schäumt gut.

  • Sodium/Natrium Cocoyl Glutamate wird aus der namensgebenden Kokosnuss hergestellt und ist mild zur Haut und schonend zur Umwelt. Es lässt viel Schaumbildung zu.

  • Sodium/Natrium Coco Sulfate (SCS) ist ein anionisches Tensid aus der Kokosnuss, mit höherer Waschkraft und immer noch mild zur Haut.
  • Lauryl Glucoside ist ein nichtionisches, pflanzliches Tensid aus Kokosöl, Palmöl oder Zucker. Es erzeugt weniger Schaum und weist eine gute Hautverträglichkeit auf.
  • Decyl Glucoside ist ein sehr mildes, nichtionisches und pflanzliches Tensid aus Zucker und Kokos. Es kommt oft in Bio-Produkten vor. Zusätzlich ist die Schaumbildung sehr gut.

  • Cocamidopropylbetain: ist ein Vertreter der amphoteren Tenside und pflanzlichen Ursprungs. Es wird aus der Kokosnuss gewonnen und ist sehr mild zur Haut und gleichzeitig gut zur Umwelt. Es ist auch im ooohne Hand-Spülmittel .

Und hier eine kurze Übersicht über einige kritisch bewertete Tenside:

  • Lineare Alkylbenzolsulfonate (LAS) sind kostengünstige, anionische Tenside mit hoher Waschkraft - aus Erdöl. Es kommt selten in der Kosmetik, sondern eher in Reinigungs- und Waschmitteln vor.

  • Sodium Laureth Sulfat: ein anionisches Tensid aus Erdöl. Es reinigt sehr gut und schäumt viel, greift aber auch die Haut an. Es steht im Verdacht, Allergien auszulösen. Gerade in Kosmetik raten wir davon ab.
  • Polyoxyethylene: schaden deiner Haut nicht, lassen sich aber nicht so gut biologisch abbauen.
  • Quartäre Ammoniumverbindung: stellen die kationischen Tenside dar. Sie machen Stoffe nach dem Waschen weich, sind aber meist nicht vegan oder pflanzlich und schlecht biologisch abbaubar.

Der Sonderfall:

  • Sodium Lauryl Sulfat (SLS) ist ein anionisches Tensid mit sehr hoher Reinigungsleistung. Durch die starke Reinigungsleistung greift es auch die Fettschicht auf der Haut an, weshalb es in Kosmetik kritisch gesehen wird. In Reinigungsmitteln wird es auch von Codecheck positiv bewertet, weil es eine hervorragende Alternative zu mineralölbasierten Tensiden ist. Es sorgt auch bei ooohne für eine gute Reinigungsleistung.

Fazit

Tenside erleichtern uns das Leben in vielerlei Hinsicht. Doch Tensid ist nicht gleich Tensid! Wir empfehlen dir, vor allem auf pflanzliche Tenside zu achten. Außerdem gilt es zu bedenken, für welche Anwendung du welche Wirkung benötigst: ein Hautpflegeprodukt oder deine Kosmetik haben einen sehr viel intensiveren Kontakt mit deiner Haut und sollten daher besonders mild sein. Reinigungsmittel haben diesen intensiven Hautkontakt in der Regel nicht. Dort ist die Reinigungskraft wichtiger.

Autorin: Maren Funke

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